Wissenschaftler der Cleveland Clinic, USA, haben kürzlich die Wirksamkeit der Impfung gegen die Coronavirus-Krankheit 2019 (COVID-19) bei Personen mit oder ohne einer Infektion mit dem schweren akuten respiratorischen Syndrom Coronavirus 2 (SARS-CoV-2) in der Vorgeschichte bewertet. Die Studienergebnisse zeigen, dass Personen mit vorheriger SARS-CoV-2-Infektion keinen zusätzlichen Nutzen aus der Impfung ziehen, was darauf hindeutet, dass COVID-19-Impfstoffe Personen ohne vorherige Infektion priorisiert werden sollten. 


Hintergrund

Ziel dieser Studie war es, die Notwendigkeit einer COVID-19-Impfung bei zuvor mit SARS-CoV-2 infizierten Personen zu bewerten.


Methoden Mitarbeiter des Gesundheitssystems der Cleveland Clinic, die am 16. Dezember 2020, dem Tag, an dem die COVID-19-Impfung begann, in Ohio arbeiteten, wurden eingeschlossen. Jeder Proband, der mindestens 42 Tage zuvor positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde, galt als zuvor infiziert. Man galt 14 Tage nach Erhalt der zweiten Dosis eines SARS-CoV-2-mRNA-Impfstoffs als geimpft. Die kumulative Inzidenz von SARS-CoV-2-Infektionen in den nächsten fünf Monaten bei zuvor infizierten Probanden, die den Impfstoff erhielten, wurde mit denen von zuvor infizierten Probanden, die ungeimpft blieben, von zuvor nicht infizierten Probanden, die den Impfstoff erhielten, und von zuvor nicht infizierten Probanden, die den Impfstoff erhielten, verglichen ungeimpft geblieben.


Ergebnisse Unter den 52.238 eingeschlossenen Mitarbeitern blieben 1.359 (53 %) von 2.579 zuvor infizierten Personen ungeimpft, verglichen mit 22.777 (41 %) von 49.659, die zuvor nicht infiziert waren. Die kumulative Inzidenz der SARS-CoV-2-Infektion blieb bei zuvor infizierten ungeimpften Probanden, zuvor infizierten Probanden, die geimpft wurden, und zuvor nicht infizierten Probanden, die geimpft wurden, nahezu null, verglichen mit einem stetigen Anstieg der kumulativen Inzidenz bei zuvor nicht infizierten Probanden, die ungeimpft blieben. Keiner der 1359 zuvor infizierten Probanden, die ungeimpft blieben, hatte während der Dauer der Studie eine SARS-CoV-2-Infektion. In einem Cox-Proportional-Hazards-Regressionsmodell war die Impfung nach Anpassung an die Phase der Epidemie mit einem signifikant geringeren Risiko einer SARS-CoV-2-Infektion bei denjenigen verbunden, die zuvor nicht infiziert waren (HR 0,031, 95 % KI 0,015 bis 0,061), aber nicht unter den zuvor Infizierten (HR 0,313, 95 % KI 0 bis unendlich).


Schlussfolgerungen Es ist unwahrscheinlich, dass Personen, die eine SARS-CoV-2-Infektion hatten, von einer COVID-19-Impfung profitieren, und Impfstoffe können ohne Bedenken gegenüber Personen priorisiert werden, die zuvor nicht infiziert waren.


Zusammenfassung

Die kumulative Inzidenz von COVID-19 wurde bei 52238 Mitarbeitern in einem amerikanischen Gesundheitssystem untersucht. COVID-19 trat in den fünf Monaten der Studie bei niemandem unter 2579 Personen auf, die zuvor mit COVID-19 infiziert waren, darunter 1359, die den Impfstoff nicht einnahmen.

Vom Verständnis eines Totimpfstoffs

Auch die Beschäftigung mit einer Materie macht einen nicht unfehlbar (das sollten sich einige andere Hauptakteure des Pandemietreibens auch vergegenwärtigen): Ich selber hatte mich auf so viele Facetten der COVID19-Situation konzentriert, dass ich mein zu schlichtes, aus der Vergangenheit manifestiertes Grundverständnis für die Definition von Totimpfstoffen nicht weiter hinterfragt und daher diesen Begriff im Interview vom 13.-15.12.21 auf den NachDenkSeiten nicht gemäß aktueller Definitionsbreite (siehe Wikipedia) eindeutig verwendet hatte. Deshalb auch zur Klarstellung meiner damaligen Aussagen hier ein kurzer Exkurs in die Begrifflichkeit:


Am Anfang der Definition von Totimpfstoffen war ein Totimpfstoff ein inaktiviertes Virion (nicht vermehrungsfähig) – und für mich persönlich ergibt nach wie vor auch nur diese Definition wirklich Sinn. Ein gespritztes Protein als Totimpfstoff zu definieren, kam erst später auf, mit der Etablierung von Impfstoffen, bei denen nur ein struktureller kleiner Teil eines Virions verwendet wird (sogenannte Peptidimpfstoffe oder auch Untereinheitenimpfstoffe wie z.B. die aktuellen Influenza-Impfungen). Die Verwendung des Begriffs in diesem Zusammenhang erscheint mir aber inhaltlich nicht zielführend. Wenn wir Insulin spritzen, ist das einfach ein Protein und nicht irgendein Totwirkstoff. Auch im aktuellen Jahrhundert verwenden daher einzelne Autoren von Fachpublikationen noch eine saubere Trennung der verschiedenen Impfstoffstrategien, ohne diese funktionell extrem unterschiedlichen Impfstoffprinzipien unter einem eher unpassenden Sammelbegriff zu subsummieren – und dabei wird der klassische Totimpfstoff (inactivated vaccines) nur als inaktivierte Mikrobe geführt (also inaktivierter Ganz-Partikel; z.B. in [1]).


Ein gespritztes Spike-Protein (z.B. Nuvaxovid von Novavax) als Impfung ausgetragen, übt denselben eindimensionalen Selektionsdruck aus wie ein über verimpfte DNA- oder RNA-Blaupause produziertes Protein und ist daher strategisch genauso bedenklich in Bezug auf die mittelfristige Virusentwicklung (Mutationen).


Vom seltsamen Verständnis von Immungedächtnis

Beim „Stöbern“ durch die Fachliteratur verwundert es einen schon, dass offensichtlich auch von denen, die es wissen sollten, davon ausgegangen wird, dass für einen nachhaltigen Immunschutz gegen ein Virus anscheinend zu jeder Zeit und immer spezifische Antikörper in hoher Zahl und auch eben solche T-Zellen im Blut zu finden sein müssen. Und aus der zeitlichen Abnahme nur der Antikörper, sowohl bei Genesenen als auch bei Geimpften, wird abgeleitet, dass wir alle kurzfristig unseren erworbenen Schutz weitgehend einbüßen und dass deshalb permanent nachgeimpft werden muss, auch bei Genesenen. Aber so funktioniert das meinem Verständnis nach nicht wirklich.


Wir alle haben mit zunehmendem Lebensalter schon eine Vielzahl an unterschiedlichen Viren und anderen Pathogenen in unseren Körper aufgenommen – und unser Immunsystem scheint diese alle gut in den Griff bekommen zu haben, sonst würden wir jetzt nicht darüber philosophieren können. Nun stellen Sie sich einmal vor, von jeder Infektion, die unser Immunsystem bekämpft hat, müssten spezifische Antikörper und auch T-Zellen in hoher Zahl im Blut verbleiben – irgendwann würde unser Blut wohl dickflüssig werden und wäre völlig übersättigt mit diesen Proteinen und Zellen.

Damit so etwas gar nicht erst nötig erscheint, müssen wir die Natur unseres Immungedächtnisses verstehen. Entscheidende Facetten desselben wurden aber in den einschlägigen Untersuchungen der letzten zwei Jahre zu SARS-CoV2-Impfungen und Infektions-Verläufen, zu Wirksamkeit, Effekten und Sinn und Unsinn von weiteren Impfungen meiner Meinung nach nicht adäquat berücksichtigt.


Antikörper sind generell mal Proteine (wenngleich auch funktional sehr spezielle), und alle Proteine haben eine gewisse Halbwertszeit in unserem Körper, welche bei Antikörpern im Bereich von einigen Wochen liegen kann. Wenn der Körper ein Protein nicht mehr benötigt, wird die Nachproduktion heruntergefahren und der aktuelle Bestand wird sich gemäß der Halbwertszeit sukzessive abbauen. Sollte eine adäquate Immunisierung (z.B. durch Infektion) stattgefunden haben, so verbleiben einige wenige langlebige Plasmazellen, die eine gewisse kleine Zahl von diesen Antigen-spezifischen Antikörpern danach noch immer weiter produzieren – aber die Hauptmasse der akut im Blut vorhandenen Antikörper nimmt zügig ab. Nichts anderes sieht man auch, wenn man sich in den Monaten nach einer durchlebten Infektion oder nach einer Impfung die Antikörpertiter anschaut. Alles ganz natürlich und keine Frage, dass unser Immunsystem ausgerechnet bei SARS-CoV2 nicht mehr klarkäme. Was aber in den meisten Studien nicht adäquat beleuchtet wird, ist, ob sich ein antigen-spezifisches Gedächtnis bei den Zellen ausbildet, die für eine nachhaltige Antikörper-Produktion verantwortlich sind: Plasmazellen und B-Zellen. Und die sich durch eine passende Stimulation bildenden Gedächtniszellen dieses Typs lagern in der Regel zum überwiegenden Großteil im Knochenmark und in den lymphoiden Organen – nur eine Subpopulation der B-Zellen auch im Blut bzw. im Gewebe. Und es sind im Vergleich zur Anzahl der entsprechenden Zellen, die bei einer akuten Infektionsbekämpfung mitwirken, nur ein sehr kleiner Prozentsatz dieser Zellen, die sich am Ende zu solchen Gedächtniszellen umwandeln.

Gleiches gilt für die T-Zellen: Während einer akuten Infektion vermehren sich die Zellen, deren Rezeptor zu einem Antigen des Eindringlings passt, sehr stark. Nach erfolgreichem Kampf gegen das Pathogen gehen die meisten dieser Zellen in den kontrollierten Zelltod, nur einige wenige entwickeln sich auch hier weiter in Gedächtnis-Zellen. Und auch hier verweilen diese Zellen danach nur zum Teil im Blut, sie wandern in Gewebe und wieder das lymphatische System ein.


Sinn und Zweck eines Immungedächtnisses ist es, dass, wenn diese wenigen Gedächtniszellen, die hauptsächlich in Knochenmark, Gewebe und lymphatischem System angesiedelt sind, bei erneutem Zusammentreffen mit demselben Antigen (oder auch fast identischem Antigen, denn nicht jede Mutation führt gleich zum Erkennungsverlust) sofort eine rasche und fulminante Immunantwort lostreten können – und zwar wesentlich schneller, als bei der ersten Immunantwort zu beobachten war, als sich das Antigen das erste Mal in unserem System befand; wesentlich effektiver und auch von der Größenordnung her in einer anderen Liga. Somit hilft das Immungedächtnis, eine voll aufgeblasene Immunantwort statt in ca. 4 bis 7 Tagen, wie bei der Erstinfektion, nun in ca. 2 bis 3 Tagen auf die Beine zu stellen.


Durch die frühzeitigere und größer angelegte Immunantwort kann sich dann das Virus nicht so breitflächig in unserem System einnisten und erreicht durch den deutlich kürzeren Zeitraum bis zur etablierten vollen Immunabwehr auch nie nur annähernd die Replikationszahlen in unserem Körper wie bei der Erstinfektion. Somit kann das Virus entweder gar nicht Fuß fassen (unser Immunsystem hätte das Virus vor dem Auftreten von Symptomen im Griff gehabt) oder aber der virale Prozess wird soweit eingebremst, dass wir mildere Verläufe davontragen.